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Wolfgang Amadeus Mozart


Ein Genie, das ohne Billard nicht Leben konnte

Mozart selbst erwähnte nur einmal, in einem Brief an seine Frau Konstanze Anno 1791, daß er mit einem Freund Billard gespielt habe. Aus Biographien von Sehlichtegroll, Niemetschek und Nissen wurde uns jedoch immer wieder überliefert: "das Billard liebte er leidenschaftlich...". Er hatte normalerweise sogar ein Billardspiel bei sich zu Hause, mit dem er sich auch durchaus allein unterhalten konnte. Insgesamt gibt es in der Literatur über Mozart über ein Dutzend Textstellen, die sich mit dem Billard- und Kegelspieler Wolfgang Amadeus befassen.

Warum ist es nun aber so wichtig, wie sich dieses große Genie seine so spärliche Freizeit gestaltete? Nun, wie viele bedeutende Musikwissenschaftler beteuern, ist ein "gewisses spielerisches Element" in seinen Werken unverkennbar, besonders in seinen Opern. Weiteres kann bei genauerem Betrachten seines privaten Lebens, sein Schaffen noch besser gewürdigt werden. Und schließlich kann seine Spielleidenschaft vielleicht darüber Aufschluß geben, wohin das viele Geld, das er zweifellos verdient hatte, verschwunden ist.

Freilich ist es vielen ein Rätsel, wie W.A. Mozart neben seiner Schreibarbeit und seinen vielen und langen Reisen noch Zeit finden konnte, sich mit Billard und Kegel, Karten und Würfel und diversen Gesellschaftsspielen zu vergnügen. Man sagt, daß heutzutage ein Komponist, der Mozarts Gesamtwerk Note für Note abschreiben wollte, dafür 99 Jahre benötigte. Also man sieht - einfach unbegreiflich.

Es gibt aber durchaus erklärbare Gründe, die die Vorliebe des Maestros für das Billardspiel verdeutlichen:

  • Billard war damals ein "nobles Spiel" und wurde vor allem von sogenannten "Standespersonen" gespielt.
  • Ein Kavalier mußte seinerzeit dieses Modespiel einfach beherrschen.
  • Billard war ein "wissenschaftliches" Spiel und wurde hauptsächlich von Männern ausgeübt.
  • Es war ein international bekanntes Spiel und wurde auch unter Anwesenheit wettender Zuschauer durchgeführt.
  • Es ergab sich dabei oft die Möglichkeit zu sozialen Kontakten: es wurden dabei auch Geschäfte abgewickelt.
  • Das Billard war eine ideale körperliche und geistige Entspannung und wurde auch vielfach von Ärzten verordnet.

Dies alles waren Gründe, warum Amadeus sich so für dieses Spiel interessierte.

Ebenso galt seine Vorliebe auch dem Kegelspiel. Von einigen seiner Werke weiß man, daß sie in einer "Kegelstatt" komponiert wurden. So z. B. das berühmte "Kegelstatt-Trio" oder die zwölf Bläserduette. Ja sogar mehrere Stücke zu seiner Oper "Don Juan" schrieb er während des Kegelspiels.

1784 übersiedelte Wolfgang mit seiner Konstanze in den Trattnerhof am Graben - die erste Adresse Wiens, wie es hieß - wo auch ein Herr von Füllenbaum sein "Casino" eröffnete. Dort wurden - gegen Erlag eines bestimmten Geldbetrages - Tische für 's Karten- oder Brettspiel reserviert. Oder man konnte sich für eine bestimmte Zeit am Billardtisch vergnügen. Damals hatte Mozart seine Spieltische sozusagen "im Haus".

Im Oktober des selben Jahres allerdings übersiedelte er mit seiner Frau in die noch noblere Schulerstraße, wo sie eine teure Wohnung bezogen, in der sich der Spieler sein eigenes Billardzimmer einrichten konnte.

Und wo traf man sich nun hauptsächlich zum gemeinsamen Billardspiel? In Wien gab es damals 69 Kaffeehäuser mit durchschnittlich 2 Billardtischen. Dort trafen sich die Spieler und die, die darüber zum Teil hohe Wetten abschlossen.

Abbildung 2 zeigt einen typischen Billardraum in Wien im Jahre 1795.

Wie gut beherrschte Mozart aber das Billardspiel wirklich? Der Sänger Michael Kelly erzählte, daß er öfter eine Partie gegen den Maestro spielte, stets aber nur Zweiter war. Es gab jedoch auch andere Meinungen. So etwa von Supiz Boiserée: "Er war ein leidenschaftlicher Billardspieler, spielte aber schlecht." Und auch seine Frau Konstanze bestätigte: "Oft spielte er ganze Nächte durch und immer hatte er Geld notwendig."

Im Herbst 1790 war Konstanze in das sogenannte Kleine Kaiserhaus übersiedelt und hatte auch dort ihrem Mann neben seinem Arbeitszimmer ein Billardzimmer eingerichtet. Aufgrund seines ausführlichen Nachlaßinventars hatte man über das Eigentum Mozarts genaue Kenntnis, und daraus geht auch eindeutig hervor, daß der darin befindliche Billardtisch, neben seinem Piano das teuerste Möbelstück in seiner Wohnung war. Und von diesem wollte er sich auch nicht trennen, trotz Schulden, die zuletzt eine Summe von 5.000,- Gulden betragen haben sollen.

Diese Geschichte zeigt uns, daß die Gesellschaftsspiele auf das ungeheure Schaffenswerk und das Leben Mozarts wohl einen viel größeren Einfluß genommen haben, als bisher angenommen. Und deshalb steht über ihn auch geschrieben: "Er war ein "Ewig-Spielender", dafür ist seine Musik der beeindruckendste und beglückendste Beweis.

[Quelle: EBN 11/95]

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